Fahrradtour Polen 2009 Teil 2
Ostseeküste und Mecklenburg-Vorpommern
Danzig, Gdynia, Puck Miasto, Wladyslawowo, Ustka Miasto, Darlowo Miasto, Ustronie Morskie, Kolobrzeg, Trzebiaow, Swinoujscie, Usedom, Anklam, Neubrandenburg, Müritz, Wittenberge

Datum 30.05.2009

Strecke
Sobieszewo - Gdansk

Distanz
16,6 km

Durchschnitt

Pionierbrücke über den Martwa Wisla bei Sobieszewo

Transportmittel in Danzig

Da der letzte Abend recht lang geworden ist, schlafen wir etwas länger. Nach dem Frühstück steigen wir auf das Rad und stellen bei der Kurspeilung fest, dass es nur 14 km bis zum Hotel in Danzig sind. Zuerst queren wir die Brücke über die Martwa Wisla; eine Schwimmbrücke die wohl von den Russen vergessen worden ist. Der entgegenkommende Bus holpert mit 5 Stundenkilometern und in Schlangenlinien über die buckeligen Klappmechanismen. Selbst unter dem Gewicht unserer Räder bewegen sich die Fahrbahnholzbohlen.

Blick aus dem Zimmer unseres Hotels Krolewski auf der Weichselinsel zur Uferstraße mit dem Danziger Wahrzeichen, dem Krantor

Wir lassen die Werften am Ostseeeufer rechts liegen. Dann landen wir vor der Schranke einer riesigen Raffinerie, so dass wir zurückfahren müssen. Wir kommen nicht umhin, ein Stück auf der E77 zu fahren. Es gibt einen schlechten Fuss-/Radweg an der Straße. Eine Brücke überspannt den Rangierbahnhof der Raffinerie. Der extrem schmale Seitenweg neben der Leitplanke ist auch noch mit Sand überhäuft. Auf dem letzten Stück zur Stadtmitte von Danzig gibt es eine Nebenstraße, die für das Radfahren geeignet ist.

Verkaufsstand für Bersteinschmuck

Zwei Laufräder des Krantores, die als Anrtieb für den Kran genutzt worden sind

Blick auf unser Hotel Krolewski

Den großen Straßenknotenpunkt vor dem Zentrum kann man an einem Tunnel unterqueren und an den Zugängen sind Rampen angeordnet. Nach einem Kilometer erreichen wir unser Hotel Krolewski. Es wurde in einem alten Speichergebäude errichtet. Der Blick aus unserem Fenster ist grandios. Wir blicken über den Weichselarm zur Altstadt und haben das mächtige Krantor auf der anderen Uferseite im Visier.

Marktstand in der Stadtmitte von Danzig

Die Langgasse

und der lange Markt

Nach dem Einchecken und der großen Wäsche geht es los in die Innenstadt. Von der Weichselinsel, auf der unser Hotel liegt, gehen wir an dem Schifffahrtsmuseum vorbei zur Uferpromenade. Wir besichtigen zuerst das Krantor; es sind vier Laufräder einbebaut, die zwei unabhängige Seilzuganlagen antreiben. Die historische Altstadt breitet sich zwischen den großen Zufahrtsstraßen aus. Die Altstadtfassaden sind mit Skulpturen und Reliefs detailreich und differenziert gestaltet.

Fassaden der Danziger Bürgerhäuser

Die astronomische Uhr in der Marienkirche

Blick von dem Treppenaufgang in der Marienkirche auf den Glockenstuhl

Der nächste umfangreichere Besichtigungsort ist die Marienkirche, der weltgrößten Backsteinkirche, wie wir später nachgelesen haben. Beeindruckend im Innenraum sind der Altar und die astronomische Uhr. Im Anschluss besteigen wir den mächtigen 82 m hohen Turm, von dem wir einen weiten Blick über Danzig haben. Neben der historischen Innenstadt im Umfeld herrschen im Außenbereich Plattensiedlungen und Industrieanlagen vor. Am Tage herrschen Temperaturen um 20C, am Fluss weht aber ein stärkerer Wind, so dass wir immer wieder die Jacke überziehen müssen. Am Abend zieht ein Gewitter auf.

Blick von der Marienkirche nach Norden

Ruinen auf der Speicherinsel

Blick auf das Schifffahrtsmuseum auf der Speicherinsel

Das Rechtsstädter Rathaus am langen Markt

Nächtlicher Blick auf das Weichselufer

Datum 31.05.2009

Strecke
Gdansk - Debki

Distanz
103 km

Durchschnitt
16,7 km/h

Nach dem üppigen Frühstück rollen wir noch einmal durch die Danziger Altstadt. Wir verlassen die Stadt auf der A27. Die Ausfallstraße hat einen Radweg, der z. Zt. instandgesetzt wird. Wir passieren große Hochhaus- und Plattensiedlungen

Hochhausquartiere zwischen Gdansk und Sopot

Wir biegen vor Sopot rechts in östlicher Richtung ab und gelangen an die Ostseeküste. Dort verläuft eine Strandpromenade, die an dem heutigen Sonntagvormittag so bevölkert ist wie der Kemnader Stausee in Bochum. Ganz Danzig hat sich an dem sonnigen Tag auf den Weg zum Strand gemacht. An der Küste stehen mondäne Bauten, die es mit denen in Usedom aufnehmen können. Im Bereich der Kurterrasse müssen wir das Rad sogar schieben.

Strand von Sopot

Der Strand ist breit und Restaurants liegen an dem Strandweg. Hinter Sobot endet der Strandweg und wir sind gezwungen, wieder auf dem Seitenstreifen der viel befahrenen A27 zu fahren. Die Fahrt auf dem Seitenstreifen ist kein Vergnügen, die gleichzeitige Nutzung durch Fußgänger, Ampeln mit extrem langer Rotphase und lose Gehwegplatten schränken das Fahrvergnügen ein.

Fahrradwege bei Sopot entlang der Ostseeküste

In Gdynia empfiehlt uns ein Einheimischer unbedingt die Strandpromenade anzulaufen. Machen wir auch; auch hier ein Massenandrang, aber eindrucksvoll ist, dass die Fußgänger und Radfahrer, im Gegensatz zu den Erfahrungen in Deutschland, auch nur den ihnen zugewiesenen Wegbereich nutzen. Die gleiche Disziplin fiel uns vor roten Ampeln auf, vor denen die Radfahrer und auch die Fußgänger (fast immer) geduldig auf die Grünphase warten. Auf der Zufahrtsstraße zum Strand hat sich ein Autostau gebildet; auch hier wollen alle Einheimischen ans Wasser. Uns fällt auf, dass die Fahrzeuge im Vergleich zu Deutschland neueren Datums sind.

Strand von Gdynia

In Rumia verlassen wir die Hauptstraße und fahren in nordöstlicher Richtung auf Nebenstraßen. An dem Bahnübergang schließen die Schranken, und wir bleiben in gewohnter Weise auch stehen. In der Zwischenzeit erreichen etliche andere Radfahrer die geschlossene Schranke; jeder umkurvt die Schranke und überquert die Gleise. Letztendlich passen wir uns der Sitte an, als nach mehreren Minuten immer noch kein Zug zu sehen ist.

Bahnübergang bei Gdynia

Vor dem Ort Pogorze erwartet uns noch ein richtiger Anstieg mit Serpentinen. Die Straße nach Rewa ist eine Sackgasse, so dass wir vorher auf einen Sandweg abbiegen müssen, um weiter nach Westen zu kommen. Der Weg wird auch von polnischen Radfahrern genutzt, obwohl Sand und später alter Plattenbelag das Fahren beeinträchtigen. Danach radeln wir direkt an der Ostsee entlang; der Strand ist schmal und mit Feldsteinen abgegrenzt. Der Wind kommt aus nördlicher Richtung und ist in Ufernähe besonders stark und schränkt somit unsere Geschwindigkeit ein.

Schloss von Rzucewo

Es folgt ein schmaler Waldweg und vor Puck Miasto führt der Weg durch tiefen Schlamm und über morsche Stege. Die Räder und Schuhe sind erst einmal mit Schlamm bedeckt, zu dem sich später gelber Sand gesellt.

Küste am Östersjön

Der Ort Puck Miasto hat einen schönen Marktplatz und an dem Hafen legen wir eine Pause ein und entfernen die dicksten Schlammschichten. Immer in Strandnähe fahrend erreichen wir den Ort mit dem lustigen Namen Wladislawowo, an dem sich die Nehrung Mierzeja Helska anschließt. Vor hier ab geht es in westlicher Richtung. Wir fahren auf der Straße 215, die ein einigermaßen glattes Kopfsteinpflaster aufweist, zu dem Touristenort Rozewie.

Schlammweg bei Puck Miasto

Im Anschluss radeln wir auf einem Waldweg in einigen hundert Metern Entfernung vom Strand. Die noch feuchten Abschnitte sind noch gut zu befahren, auf den trockenen Partien kommen wir des öfteren ins Schlingern und müssen durch Fußabsetzen einen Sturz verhindern. Als Etappenziel haben wir den Ort Debki ausgewählt. Dort befinden sich in dem bewaldeten Küstenhinterland viele Ferienhütten und Campingplätze, die fast ausschließlich von polnischen Urlaubern genutzt werden. Ein Hotel gibt es dort nicht, aber die Bewohner bieten Ferienzimmer an; allerdings werden keine Hinweise über Zimmervermietungen vor den Häusern angebracht, so wie man es in Deutschland gewohnt ist.

Küstenweg

Die Verständigung mit der Zimmerwirtin dort klappt nur mit Händen, Füßen und Zeichnungen. Dann wollen wir uns stärken; wir finden aber kein offenes Restaurant. Die einzige offene Verkaufsstelle ist ein Stand mit Waffeln und Eis. So bleibt uns nichts anderes über, als mit einer Waffel und einem großen Eis den Hunger zu stillen. Uns fällt auf, dass es in den Urlaubsgebieten relativ wenige Restaurants gibt. Wir führen das drauf zurück, dass die polnischen Touristen sich das nicht leisten können und sich selbst versorgen.

Wasserskiläufer mit Paragleiter

Datum 01.06.2009

Strecke
Debki - Gardna Wilka

Distanz
92 km

Durchschnitt
15,5 km/h

An dem Morgen müssen wir das Frühstück selbst zubereiten, Frühtück in Privatquartieren scheint wohl nicht üblich zu sein. Es ist ein sonniger Morgen und der kalte Nordwind hat sich gelegt. Wir fahren anschließend über den Sandweg direkt hinter den Dünen entlang. Nach einigen Kilometern mündet der Zufluss von dem See Jezioro Zarnowieckie in der Ostsee.

Mündung des Wasserablaufs von dem See Jezioro Zarnowieckie

Wir unternehmen dort einen Abstecher zum Strand. Zuerst verläuft der Süßwasserzufluss längs des Strandes und dann folgt das Meer, ein Superstrand. Die Wassertemperatur schätze ich auf 18C, so dass es nicht sehr viel Überwindung bedarf, in das Wasser zu laufen. Heinz meint, die Ostsee sei das salzigste Meer. Ich verweise auf das tote Meer und probiere erst einmal das Ostseewasser: ich schnmecke kein Salz! Heinz drängt aber zur Weiterfahrt; es gibt kein Sonnenbad.

So kann man an einem Sandstrand entlangfahren

An dem Zugang zum Strand müssen wir erst einmal das Rad schieben. Als wir den feuchten Sand an der Dünung erreichen, stellen wir fest, dass an dieser Stelle der Sand befahrbar ist. Der Trick beruht darauf, das Rad anzuschieben und dann aufzuspringen. Im Stand wird das Rad nämlich gleich in den feuchten Sand eingedrückt. Beim Fahren mit einer nur kurzzeitigen Belastung des Sandes werden auch unsere relativ schmalen Reifen nur geringfügig eingedrückt.

Sanddünen, der Feind des Radlers

Ich habe derweilen die Badehose und Gummischuhe gegen die Fahrradbekleidung getauscht, und kann so zwischendurch mal kurz ins Wasser springen. Es ist ein wunderbarer fast menschenleerer breiter Sandstrand, der nur zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar ist.

Im Nationalpark Slowinski Park Narodowy

Wir fahren an der Wasserlinie entlang oder durch die ablaufenden Wellen. Das Wasser spritzt und feuchter Sand bedeckt das Rad und die Taschen und die Schaltung knirscht. Die Strandstrecke verlassen wir nach etwa 6 km. An einem Campingplatz befreien wir das Rad mit Wasser vom Sand und ölen erstmal die Kette. Nach einer Schiebepassage von 200 m geht es auf einem relativ gut befahrbaren Splitweg weiter. An einem Imbiss in der Nähe des Ortes Lubiatowo stärken wir uns mit Dorsch, Fritten und Salat.

Im Nationalpark Slowinski Park Narodowy

Es galt bisher das geflügelte Wort "Wir hatten schon mal eine schlechtere Piste". Auf dem nächsten Streckenabschnitt gilt das nicht mehr, denn dieser Abschnitt ist der schlechteste Streckenabschnitt auf unserer Tour. Entlang der Wanderdüne müssen wir die Räder über längere Abschnitte durch den Sand schieben; unser Tagesschnitt liegt mittlerweile bei 10 km/h.

Unser Radweg, ein Holzsteg im Nationalpark Slowinski Park Narodowy

Dann folgt endlich wieder eine richtige Straße und wir rasen mit 25er Schnitt von Ulina nach Lucin. Wir erreichen den Slowinski Park Narodowi, der zwei große Binnenseen umfasst. Der erste See ist mit Schilf umwachsen und die Wasserlinie ist kaum erreichbar. Der erste Teil des Weges in gewissem Abstand vom Wasser besteht aus Gittersteinen. Der zweite Teil führt durch ein Moorgebiet; zwei kurze Holzstege bilden die einzige Befestigung des Weges.

Moorlandschaft im Nationalpark Slowinski Park Narodowy

Ansonsten geht es an moorigen Tümpeln und Gräben entlang; wir haben die Assoziation von Moorleichen. Die Schlaglöcher sind so tief, dass ein Fahrrad darin Platz hat. Diese fürchterliche Passage hat in Kluki ein Ende. Das Dorf war einst vollkommen unzugänglich und wurde von den Slowinzen bewohnt, von denen der letzte 1958 gestorben ist. In dem Dorf sind historische rietgedeckte Fachwerkgebäude in Rahmen eines Museumsdorfes restauriert worden.

Bauernhaus in dem Museumsdorf Kluki

Dort beginnt eine asphaltierte Straße. Wir treten in die Pedalen und rasen mit 30 - 40 km/h über Smoldzino nach Gardna Wilka. Der Ort liegt an dem kleineren der beiden Seen in dem Naturschutzgebiet. Da es mittlerweile 18.30 Uhr ist, gehen wir auf Quartiersuche und finden Unterkunft in einem Privathaus. Da in Polen die Sommersaison noch nicht begonnen hat, haben die Hotels und Restaurants auch hier noch geschlossen. Wir finden ein Privatquartier, das von in Deutschland arbeitenden Polen vermmietet wird. Allerdings müssen uns wieder selbst versorgen. Da in fast jedem kleineren Ort ein Tante Emmaladen mit langen Öffnungszeiten zu finden ist, gibt es keine Probleme, sich mit Lebensmitteln einzudecken.

Gardna Wilka

Ein Badeversuch in dem See Jezioro Gardno an dem Abend misslingt jedoch, da die Tiefe des Wassers 40 cm nach 30 m Marsch nicht überschreitet. Es bleibt somit nur das klassische Duschen übrig. Am Abend sitzen wir noch draußen und nehmen bei himmlischer Ruhe nur ein Surren im Hintergrund wahr.

Schwäne am Jezioro Grardno

Die polnischen Vermieter erklären uns, dass dies durch Mückenschwärme in der Umgebung verursacht wird. Trotzdem bleiben wir vor Mückenstichen noch einigermaßen verschont. Wir schauen uns mit den Vermmietern noch unsere Bilder an.

Heinz am Jezioro Grardno

Datum 02.06.2009

Strecke
Gardna Wilka - Mielno

Distanz
106 km

Durchschnitt
15,5 km/h

An diesem Tag fahren wir über die asphaltierte Straße zu dem Küstenort Ustka Miastro. Wir fahren durch das Küstenhinterland, das sich durch ein sanftes hügeliges Gelände auszeichnet. Die Flächen werden als Weiden und Wiesen und auch für den Getreideanbau genutzt. Auffallend zu dieser Zeit sind die großen Flächen, die mit dem gelb blühenden Raps bestellt sind. Unsere Straße ist meistens mit Bäumen gesäumt. Es herrscht nicht allzu viel Verkehr; auffallend sind aber die vielen Schulbusse. Unser Weg weicht jetzt von dem ausgeschilderten Ostseeküstenradweg R10 ab, wir lassen den Sand mal rechts liegen.

Der Hafen von Ustka Miasto

Der Ort Ustka Miastro ist ein Küstenort, der touristisch geprägt ist und einen Fischereihafen hat. Eine lange Hafenmole reicht in die Ostsee. Nach einer Pause zur Stärkung geht es auf der Straße 203 weiter. Die Dörfer sind klein und eher unspektakulär; es fallen höchstens die Backsteinkirchen auf. Manche der Dorfkirchen sind auch in Fachwerkbauweise ausgeführt. In der Nähe der Küste kommen wir an Ferienhäuser vorbei, oft auch größere Datschen, die einen gehobenen Wohlstand der Besitzer anzeigen. Diese Ferienvillen sind vorwiegend im Besitz von betuchten Warschauern.

Typischer Anblick: Rapsfelder und Windräder

Wir kommen durch den geschäftigen Ort Darlowo Miastro, der wohl für das Umland das wirtschaftliche Zentrum darstellt. Das mächtige Stadttor zeigt, dass die Stadt in der Vergangenheit bedeutend war.

Wasserzufluss zur Ostseee

Wir fahren vorwiegend auf Alleen weiter zu dem Küstenort Dabki und legen eine kurze Badepause ein. Der Strand an dem Ort ist gut besucht. Es sind fast ausschließlich polnische Urlauber, die sich dort sonnen. Danach folgt mit schnellem Tempo ein Abstecher in das Landesinnere und es geht weiter zu dem Ferienort Lazy an der Ostseeküste. Auffallend sind viele Schulklassen, die hier ihre Ferien verleben und vom Strand zurückkommen. Wir sehen viele Urlaubshäuser und -hütten. Es geht über die Nehrung zwischen dem großen Jamnosee und der Ostsee weiter. Es ist mittlerweile 18.30 Uhr und in Mielno nehmen wir ein Zimmer.

Polnische Ferienhäuser

Datum 03.06.2009

Strecke
Mielno - Dziwnow

Distanz
112 km

Durchschnitt
20 km/h

So wie es im Wetterbericht zu lesen war, regnet es beim Frühstück. Die Temperatur beträgt 12C und wir stellen uns auf einen Regentag ein. Mit Regenjacke und Überschuhen fahren wir los. Wir folgen dem Radweg R10, der immer direkt an der Küste entlangführt. Der Weg ist unbefestigt. Da der Sand aber durch Wasser und Humus gebunden ist, kann man ganz gut fahren. Der Wald hinter dem Strand schützt uns vor dem starken Wind. Wir haben Glück, es regnet nicht weiter und die Sonne kommt langsam durch. Nach und nach legen wir die Regenbekleidung ab.

Strand bei Ustronie Morskie

Wir kommen nach Ustronie Morskie; neue Rad- und Fußwege kündigen einen bedeutenden Ferienort an. Geschäfte und Andenkenläden sind im Zentrum des Ortes zu finden. Es gibt einen kombinierten Rad-/Fußweg direkt oberhalb des Strandes verläuft. Da aber viele Fußgänger dort auch noch auf der Radwegseite entlanggehen, ist das Fahrvergnügen eingeschränkt. Die aufkommenden Sonnenstrahlen animieren Rainer noch zu einem Bad in der Ostsee.

Flughafenrelikt aus dem kalten Krieg vor Kolobrzeg

Wir fahren den Radweg R10 weiter und vor Kadzielno stehen wir plötzlich auf der Startbahn eines Flughafens. Vor uns eine breite Betonpiste, die Markierungen weisen uns an, links an der Startbahn vorbeizufahren. Wir kommen an vielen aufgegebenen Flugzeugbunkern vorbei; ein Relikt aus der Zeit des kalten Kriegs.

Blick zum Strand

Wir radeln direkt an der Küste entlang und passieren vor Kolobrzeg (Kolberg) eine tollen Abschnitt. Rechts zwischen den Bäumen die Ostseeküste und links wieder ein kleines Haff, ein Sumpfgebiet mit Enten und Schwänen und im Wasser stehenden Bäumen. An einer Engstelle ist der Festlandstreifen gerade mal 100 m breit und der Weg verläuft auf einem Steg. Kurz danach erreichen wir Kolobrzeg; der Ort ist geprägt durch Massentourismus. Moderne Hochhäuser und Appartements, dazwischen ein Park - polnischer Massentourismus - sind der Eindruck aus unserer Fahrradperspektive. Das Hafengebiet muss weit umkurvt werden. Der weitere Verlauf des Küstenradweges ist nicht mehr so aufwändig ausgebaut wie der vorhergehende Abschnitt.

.. und noch ein Blick über die Dünen

Es geht wieder über Sandpisten durch den Küstenwald. Dann kommen wir bei Grzybowo auf die Straße 109. Anschließend müssen wir einen Umweg weiter in das Landesinnere wegen des Flusses Reva in Kauf nehmen. Wir fahren bis Trzebiatow, wo der Fluss überquert werden kann. Es ist ein Getreideanbaugebiet, das wir durchfahren, und die stillgelegte Trasse einer Schmalspurbahn passieren wir mehrfach.

Neubauten in Kolobrzeg

Sanfte Hügel durchziehen die Landschaft. In Pogorzelica treffen wir auf den noch betrieben Haltepunkt der Schmalspurbahn. Der Zug verkehrt nämlich noch auf 4,5 km Reststrecke bis Rewal. Wir werden zu einer Versuchsfahrt auf der neu gebauten Draisine mit Scheibenbremsen von einem FIAT eingeladen. In dem Bahnhof von Rewal treffen wir auf ein deutsches Ehepaar. Der Ehemann, Bahnexperte, erklärt uns, dass hier keine Bahn mehr fährt: kein Ausfahrtssignal, kein Aufsichtsbeamter .. und dann nach 5 Minuten trifft der Zug ein.

Hafflandschaft

Im Anschluss kommen wir an Touristenorten vorbei; allerdings sind die meisten Restaurants und Vergnügungsbetriebe noch geschlossen; die Hauptsaison hat noch nicht begonnen. Eher treffen wir auf polnische Schulklasse, die an der Küste eine Klassenfahrt unternehmen.

Trzebiatow

Es folgt ein Steilküstenabschnitt westlich vor Rewal. An dem höchsten Ort ist ein auffälliger Leuchtturm positioniert. Wir fahren die nächste Kilometer auf der Straße 102. Dann sprechen wir einen Reiseradler an, den wir schon mehrmals gesehen haben. Es ist ein Finne, und er beklagt sich, dass seine Mitradlerin das Tempo nicht einhalten kann. Er möchte sie gerne wieder los werden und nach Hause schicken, da das Gespann nicht harmoniert.

Bahnhof der Schmalspurbahn in Rewal

Am späten Nachmittag fahren wir noch mit guter Reisegeschwindigkeit weiter. Hinter Probierwowo gibt es noch ein Stück Sandpiste, die uns nicht mehr schockt. Danach noch ein Stück auf der Straße 102 und in Dziwnow übernachten wir in einem Hotel.

Der Strand bei Probierowo

Datum 04.06.2009

Strecke
Dziwnow - Anklam

Distanz
98 km

Durchschnitt
18.6 km/h

Nach einem Schauer am frühen Morgen fahren wir später im Sonnenschein los. Wir fahren auf der Straße 102, die abschnittsweise einen Radweg hat. Ansonsten bewegen wir uns auf der Fahrbahn; der Verkehr ist mäßig. Der Weg führt meistens durch bewaldetes Gebiet. Vor Miedzywozie zieht der erste Regenschauer mit Hagel über uns her. Wir stellen uns unter die Bäumen, um uns vor den stärksten Regen zu schützen. Vor Wiselka folgt ein Abschnitt auf Sandwegen abseits der Autostraße. Aufgrund des Regens ist der Sandweg noch einigermaßen befahrbar. Als günstigste Strategie für Wegabschnitte mit losem Sand hat sich mittlerweile herausgestellt: Sandhaufen anpeilen, die günstigste Spur abchecken, beschleunigen und in die Pedalen treten, den Lenker gut festhalten, im Sand herunterschalten, Schuhe aus den Pedalhaken lösen und ggf. mit den Füßen abstützen, um die Balance zu halten-

Die Fähre bei Swinoujscie

Ziemlich nass suchen wir in Miedzyzdroje ein Restaurant auf. Als wir losfahren wollen, zieht nochmals ein Schauer auf, und wir kehren noch mal um und trinken lieber noch einen Kaffee, bevor es durchnässt weitergeht. Westlich des Ortes fahren wir auf der Strandpromenade entlang und wir müssen Sandaufschüttungen an den Strandzugängen überwinden. Die Räder, die Schaltung, die Fahrradtaschen sind mit einer dicken Sandschicht bedeckt. Wir nähern und der Grenze nach Deutschland. Wir fahren zuerst über die E65 bis zum Kreisverkehr und dann zur Fähre über die Stara Swira. Während die motorisierten Fahrzeuge in einer längeren Schlange vor der Fähre warten, können wir gleich auf die Fähre fahren. Anschließend fahren wir nach Swinoujscie, und biegen vor dem Zentrum links ab. An einer Tankstelle holt ein freundlicher Tankwart einen Wasserschlauch aus der Waschhalle, damit wir den Sand von den Rädern und Überschuhen spülen können.

Schloss Stolpe auf Usedom

Wir überqueren die Grenze und kommen zu dem kleinen beschaulichen Usedomer Ort Garz. Von dort fahren wir auf den Haffradweg, der entlang des Heringsdorfer Flughafens führt. Es ist ein gut befahrbarer Plattenweg und später gepflasterter Weg. Teilweise in Sichtweite des Stettiner Haffs geht es durch die beschaulichen Siedlungen Newerow und Dargen. In Stolpe kommen wir an dem Schloss vorbei und in Usedom (Dorf) treffen wir auf die Bundesstraße 110. An der Straße ist ein vorbildlicher Radweg angelegt. Wir überqueren die Peene an der Zericher Brücke. An der Bundesstraße ist ein Radweg, teilweise auf einer separaten Trasse, angelegt.

Usedom von der Peenebrücke aus gesehen mit der Hubbrücke von Karmin

Vor Anklam holt uns nochmals ein Schauer ein. Dann kommt die Sonne wieder durch, und ein strahlender Regenbogen liegt über Usedom. In Anklam haben wir das Tagessoll erreicht, und wir suchen dort das Hotel "Am Stadtwall" auf. Die freundliche Hotelchefin stellt ihren Heizungsraum zur Verfügung, damit wir unsere nassen Sachen trocknen können. In der Stadt Anklam stehen prägnante Backsteinbauten, die wieder eine historische und kulturelle Verbindung zu den polnischen Städten zeigen.

Regenbogen vor Anklam

Datum 05.06.2009

Strecke
Anklam- Vipperow

Distanz
?? km

Durchschnitt
17,2 km/h

Von Anklam aus fahren wir auf Nebenstraßen in südwestlicher Richtung. Der Wind macht uns heute sehr zu schaffen, oft müssen wir gegenan radeln. Wir kommen zu dem Ort Spanekow. Die dortige Burg ist nach der Ausschilderung die am besten erhaltene in Norddeutschland. Leider sieht man nur die Burgmauer; die Gebäude dahinter sind nicht zugänglich. Es ist deutlich kälter geworden, und wir müssen die lange Hose und mehrere Trikots übereinander anziehen; die Schaffskälte hat uns erreicht..

Felderlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern

Dafür treibt der starke Wind die Regenwolken auseinander. Zwischen Rebelow und Ramelow erreicht man eine Senke, in der der Neue oder Mittelgraben liegt. Es ist wie am Ende der Welt; der Weg reduziert sich auf einen Plattenweg, allerdings neuerer Bauart (post Honnecker). Es ist ein Sumpfgebiet und es schließen sich Wiesen- und Weiden an.

Burg in Spanekow

Wir erreichen Neubrandenburg und haben Hunger. In der Stadtmitte finden wir ein passendes Restaurant. Die draußen aufgestellten Tische liegen windgeschützt, so dass wir im Freien Essen können. Ein bisschen bekommen wir von Neubrandenburg noch mit; die Stadtmauer mit den eingebetteten Fachwerkgebäuden und die wuchtigen Stadttore.

Neubrandenburg

Anschließend fahren wir noch ein Stück an dem Tolensesee und dann geht es steil bergan zur B192. Die Straße ist recht stark befahren, und wir sind froh, als wir wieder auf kleinere Nebenstraßen ausweichen können. Bei Ankershagen erreichen wir den Müritz-Nationalpark. Allerdings gibt es jetzt nur noch Waldstraßen und trotzt Karte und GPS ist die Orientierung nicht einfach.

Fahrradplasik am Tolensesee

Es geht an vielen kleineren Seen vorbei bis wir an der Boeker Mühle den Müritzsee erreichen. In dem Ort Rechtlin, am nördlichen Ende des Müritzsees, versuchen wir vergeblich ein Zimmer zu finden. Die vorwiegend angebotenen Ferienwohnungen werden nur für mehrere Tage vermietet. In dem Nachbarort Vipperow bekommen wir eine Ferienwohnung für eine Übernachtung.

Heinrich-Schliemann-Museum bei Ankerhagen

Datum 06.06.2009

Strecke
Anklam- Vipperow

Distanz
92 km

Durchschnitt
21,6 km/h

Für das Frühstück müssen wir selber sorgen. Die Tour geht dem Ende zu, und wir haben Wittenberge als Endpunkt der Tour und Startpunkt für die Zugrückfahrt ausgewählt. Es ist sonnig und jetzt fahren wir mit Rückenwind und kommen sehr schell voran. Über kleinere Straßen erreichen wir Wittstock an der Dossel. Das Städtchen hat eine Stadtmauer, die noch in großen Teilen erhalten ist und auch sonst eine Altstadt mit viel historischer Bausubstanz hat. In dem Städtchen Perleberg, durch das idyllisch die Stepenitz fließt und eine Insel im Ortszentrum bildet, legen wir ein Pause ein.Wir erreichen Wittenberge gegen 14 Uhr und haben so genügend Zeit, die Rückfahrt an diesem Samstag anzutreten. Für die Eisenbahnfahrt von Wittenberge nach Bochum mit dem Schöner Wochenendticket müssen wir 5 verschiedene Züge nutzen. Aber wir haben Glück, dass wir auch mit den Rädern alle Anschlusszüge erreichen.

Fußgängerzone von Perleberg