Tag Strecke Distanz Durchschnitt
28.05.2000 Berlin - Bad Freienwalde

Köpenick - Erkener - Strausberg - Prötzel

123,4 km 18,0 km/h
 
Am Samstag bin ich mit dem Zug von Bochum nach Berlin gefahren. Am Abend bin ich noch durch Berlin geradelt, und habe mir die Veränderungen dort angeschaut. Am Potsdamer Platz sind die ersten Gebäude bezogen. Das Gebiet um den Reichstag ist noch eine große Baustelle. Das Bundeskanzleramt ist ein großer, abstoßender Bunker. Übernachtet habe ich dann bei einem Freund in Moabit.
Potsdamer Platz    
Sonntag Morgen um 10 Uhr gings dann los. Zumindest am Wochenende kann man in Berlin ganz gut radeln. An den größeren Ausfallstraßen sind in der Regel Fahrradwege vorhanden. Da die Straße großzügig schon zu Kaiserszeiten angelegt worden sind, ist genügend Platz für ausreichend breite Fahrradwege vorhanden. Die Nebenstraßen haben keine Fahrradwege, aber da die so zugeparkt sind, liegt die Geschwindigkeit von Autos nicht wesentlich über der von Fahrrädern.

Anfangs wollte ich auf dem Fernradweg R1 fahren. Dieser führt u.a. durch das Brandenburger Tor und "Unter den Linden" entlang. Allerdings habe ich den Weg nicht immer ganz getroffen, da die Ausschilderung dürftig ist. Am Rummelsburger See bin ich noch in die Sackgasse geraten (Halbinsel Strelau). Der Radweg führt an der Spree entlang. Die Uferrandlage in dem ehemaligen Ostgebiet entwickelt sich zu einer gefragten Wohngegend.

  Rummelsburger See
An dem Sonntag sind viele Ausflügler unterwegs. Am Rand der Spree liegtr ein riesiger Freizeitpark. Weiter gehts mit einer Fähre über die Spree und dann nach Köpenick und am "Großen Müggelsee" vorbei. Am Mügglesee wird die Ausschiderung des R1 schon schlechter - danach habe ich dann keine Wegschilder mehr gefunden; den R1 gibts dann weiter nur noch als grünen Strich auf der Fahrradkarte. Das Gelände ist meist mit Fichtenwald bedeckt, und der Boden ist brandenburgisch sandig. Weiter geht es nach Erkner; und es breiten sich große Weizenfelder aus. Die Landschaft ist leicht hügelig; und dann gehts durch den Naturpark Märkische Schweiz. Bei Rehfelde verlasse ich den R1, und es geht dann in nördliche Richtung weiter.
Spreefähre  
Das Schloss Reichenow wird jetzt als Hotel genutzt und ist luxussaniert. Der Zustand steht im Kontrast zu den vielen verfallenen Gebäuden in Brandenburg. Die Dörfer wirken verschlafen, und viele Gebäude werden wohl auch nicht mehr bewohnt.

Vor Bad Freienwalde fahre ich 8 km auf einem Waldweg, wo sonst niemand - Vögel sind ausgenommen - zu hören oder sehen ist.

  Schloss Reichenow
Bad Freienwalde ist ein alter Kurort. Die alten Kurlanlage und der Park sind in einem sehr guten Zustand und spiegeln die gute alte Zeit wieder.

Der historische Schlosspark weist einen alten Baumbestand auf, das Schloss selbst in aber eher unscheinbar.

Die Jugendherberge liegt etwa 1 km abseits der Straße nach Eberwalde im Wald versteckt. Ich war erst der einzigste Gast, später kam aber noch eine Studentengruppe hinzu.

Ehemaliges Kolonialwarengeschäft in Bad Freienwalde  

 

Tag Strecke Distanz Durchschnitt
29.05.2000 Bad Freienwalde - Nowe Warpno

Oderberg - Herzsprung - Schwedt - Garz - Rosow - Doluje - Dobieszczyn

157 km 19,7 km/h

 

Am nächsten Morgen führte der Weg an dem Bahnhof von Bad Freienwalde vorbei. Hier scheint die Zeit still zu stehen.
Bahnhof von Freienwalde  

 

Durch den Niederoderbruch gehts nach Oderberg. Das Schiffshebewerk bei Niederfinow habe ich in diesem Jahr nicht besucht, da ich schon einmal dort war (Besuch empfehlenswert - zumindest für den, der sich für Stahlkonstruktionen begeistert).

Hinter Oderberg begegnete ich diesem Kutscher, der schon Holz für den nächsten Winter beschafft hat.

  Pferdefuhrwerk bei Oderberg

 

Neben bewaldeten Flächen fährt man hier an großen Feldern vorbei.
Felder  
Langsam lerne ich auch die verschiedenen Pflasterarten kennen. Während es im Westen doch nur eine geringe Bandbreite von Straßenbelegen bekannt ist (entweder asphaltiert oder gepflastert mit Betonverbundsteinen), lernt der Radler im Osten die regionalen Straßenbaukünste kennen.

Das schlimmste Pflaster ist das "Katzenbuckelpflaster". Das sind meistens runde Steine, die die Gletscher in der Einszeit mitgeschleppt haben. Um halbwegs voranzukommen, sucht man den schmalen Streifen zwischen unbefestigtem Seitenrand und dem Pflaster. Zum Glück ist dieser Belag meist nur auf den Straßen innerhalb der Dörfer zu finden, ähnlich einer Verkehrsberuhigungsmaßnahme bei uns.

Ansonten sind verschiedenen Ausführungen von Pflasteranordnungen zu finden. Natursteine (Granit) gibts in verschiedenen Größen, und aus der DDR-Zeit stammen wohl die Großbetonsteine. Diese haben den Nachteil, dass sich die Kanten gesetzt haben, so dass an der Stossstelle immer ein Versatz auftritt. Außerdem sind durch die Kanten im Laufe der Zeit verwittert, so dass immer mit einem größeren Schlag an der Stossstelle zu erwarten ist.

  Katzenbuckelpflaster
Viele Landstraßen in schwach bevölkerten Gegenden sind noch im ursprünglichen Zustand und als Baumchaussee ausgebildet.

In Stolpe bei Angermünde komme ich dann an die Oder - besser gesagt an den Oderkanal. Hier treffe ich auch auf den Oder-Neiße-Radweg . Der Radweg führt auf dem Deich neben dem Kanal entlang. Der Bau des Fernradweg ist nach den Angaben auf den aufgestellten Schildern eine Wirtschaftförderungsmaßnahme. Auf dem Deich hatte ich ausgezeichneten Rückenwind und erreichte somit hohe Geschwindigkeiten. Allerdings ging der asphaltierte Bereich dann wieder in einen Betonplattenweg über. Die Beschilderung ist meistens mangelhaft, so dass nicht zu erkenne war, ob der richtige Weg eingeschlagen worden ist, zumal der Verlauf durch Neben- und Oderaltarme an einigen Stellen unübersichtlich wird. Fernradler gab es in dem Gebiet nur wenige. Ich traf einen Vater, der mit seinem Jungen unterwegs war.

Eine größere Stadt an der Oder ist Schwedt. Hinter Schwedt ist der Oder-Neiße-Radweg noch in der Entstehungsphase. Wenn man sich an den in der Karte eingezeichneten Verlauf hält, kommt man hinter Garz über unbefestigte schmale Wege an der Oder - oder besser deren Alt- und Entwässerungsarme - entlag. Mit einem Treckingrad kommt man dort einigermaßen durch.

Chaussee  
Garz ist ein kleines Städtchen an der Oder. Hinter Garz bei Rosow überquerte ich die Grenze nach Polen. Auffallend sind die Tankstellen und Läden, die mit großen Werbetafeln deutsche Grenzgänger zum Kauf von billigen Zigaretten und Tabak animieren sollen. Ich fahre Richtung Stettin, bleibe aber in der Nähe der Grenze, und fahre somit im Halbkreis um Stettin herum. Die Dörfer sind hier noch ein bisschen einfacher als im benachbarten Brandenburg. Ich hatte eigentlich vor, in Dobieszczyn wieder über die Grenze nach Deutschland zu fahren. Aber ich hatte das Kleingedruckte in der Karte nicht gelesen (Der Grenzübergang ist geplant); und hier wäre der letzte Übergang im nördlichen Grenzverlauf gewesen. 20 km zurückfahren, das wollte ich auch nicht. Die letzte Chance bestand in einer Fährverbindung, die bei Nowe Warpno in der Karte aufgeführt ist. Auch ist Nowe Warpno der letzte größere Ort im Grenzbereich. Also - go North. Die Route führt teilweise direkt an der Grenze entlang. Die Straße ist gepflastert (10*10 cm Granitsteine, da ist noch das beste Pflaster). Auf einer Strecke von 20 km kommen mir vielleicht 15 Fahrzeuge entgegen; und bei einem so schwachen Verkehr ist das Pflaster auch noch in gutem Zustand. In Nowe Warpno finde ich eine Privatpension (Zimmer zu vermieten ist ausgeschildert), wo ich für 25 DM nächtigen kann. Da ich an dem Tag die längste Wegstrecke zurückgelegt hatte, war der Hunger auch groß. Mir wurde das Restaurant "Elefant" empfohlen. Ich war der einzigster Gast, und habe hoffentlich das Personal nicht allzu sehr am Geldspielautomaten gestört. Auf der polnischen Speisekarte habe ich dann Doszc (oder so ähnlich geschrieben) als Dorsch entziffert. Einen so lecker zubereiteten Fisch habe ich selten gegessen, super!! Das Essen mit 2 großen Bier gabs für 15 DM.
  Stadttor von Garz