Tag Strecke Distanz Durchschnitt
01.06.2000 Stralsund - Kühlungsborn

Klausdorf - Barth - Zingst - Prerow -Graal - Müritz - Warnemünde - Heiligendamm

140,5 km 18,3 km/h

 

Am Abend und am nächsten Morgen habe ich mich noch in Stralsund aufgehalten. Stralsund ist eine interessante Hansestadt, deren Innenstadt trotz Stadtbrände, Krieg und Verfall ihre Ursprüglichkeit erhalten hat. Die Häuser aus verschiedensten Epochen - vom hanseatischen Backsteinbau über Jugendstilfassaden bis zur Bauhausarchitektur geben ein harmonisches Gesamtbild wieder. Im Bereich des Rathauses sind die Renovierungsarbeiten weit vorangekommen. Dagegen liegen weite Teile der "neueren" Altstadt im Dornröschenschlaf und warten darauf, aufgeweckt zu werden. Empfehlenswert ist auch ein Besuch in dem Hafengelände, in dem noch einige alte Speicher und Lagergebäude stehen. Der besondere Charme Stralsunds liegt in dem Kontrast zwischen renovierten und verfallenen Gebäuden.
Das Rathaus von Stralsund    
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Innerer Bereich des Rathauses Marktplatz gegenüber dem Rathauses
Von der Innenstadt aus geht es dann zuerst in nörliche Richtung. Der Ostseeradweg verläuft auf kleineren Wegen - teils asphaltiert oder unbefestigt oder mit DDR-Großplatten befestigt. Hinter Buschhausen gehts dann auf einer schwach befahrenen Straße nach Barth.

In dieser Gegend nutzen auch viele Einheimische den Feiertag für eine Radtour.

  Marienkirche
Hinter Barth führt der Weg auf einer Halbinsel weiter in Richtung der Insel Zingst. Der Radweg ist angenehm und verläuft parallel zu der offensichtlich nicht mehr genutzten Bahnstrecke. Das Festland ist mit der Insel über eine alte schmale sowie eine provisorische Schwimmbrücke verbunden. Der Radweg ist hinter den Brücken bei Bresewitz auf einem Deich angelegt, führt an dem Ort Zingst vorbei und dann weiter auf der Deichkrone an der Ostseeküste entlang. Der Weg ist prima asphaltiert und ideal zum Radeln.

Hinter Prerow bin ich auf kleine Waldwege durch die Darß gefahren. Der offizielle Radweg verläuft am Bostedter Bodden entlang. Das Abweichen war nicht so toll, da ich im trockenen Sand versackt bin und 1 - 2 km schieben musste.

Es geht dann auf dem schmalen Landstreifen "Fischland" weiter, wobei der Weg wieder asphaltiert auf dem Deich verlegt ist. Allerdings kann man auf einem Teilstück derzeit nur die Straße oder den schlechten Fußweg benutzen, da die Straße erneuert wird. Hinter Dierhagen wirds dann wieder angenehm auf gut befahrbaren Deich- und Waldwegen.

Hinter Graal-Müritz ist der weitere Fernradwegverlauf schlecht ausgeschildert, so dass ich erst ein Stück auf der stark frequentierten Straße nach Rostock fahre. Nach dem Abbiegen auf einem Waldweg in der Rostocker Heide finde ich den Radweg wieder. Es geht hier durch dicht bewaldetes Gebiet. Die letzten Kilometer vor Warnemünde verlaufen auf einem Radweg an einer größeren Straße. Der Seekanal in Warnemünde wird mit einer Fähre überquert. Der Rest der Tagesetappe verläuft auf kleinen, meist unbefestigten aber ausreichend gut befahrbaren Wegen direkt an der Ostseeküste entlang.

  Seekanal bei Warnemünde
Beeindrucken war ein hoher Laubwald an der Küste, wobei die Bäume wegen des hoch beginnenden Blattwerkes wie Stelzen wirkten.

Die Nacht habe ich in dem Seebad Kühlungsborn - wiedermal in der Jugendherberge - verbracht. Besonders Lob zollt den Herbergsleitern, die das beste JH-Frühstück dargereicht haben, das mir bislang untergekommen ist (Brötchen, so viele man schafft, Marmelade, Wurst, Tomaten/Gurken, Obst, Quark). Und beim Radfahren schmeckt das Frühstück ja doppelt gut.

In Kühlungsborn fährt die Schmalspurdampflok "Molli", die ich aber aus Zeitmangel nur akustisch aus der Ferne wahrgenommen habe.

Laubwald an der Ostseeküste  

 

Tag Strecke Distanz Durchschnitt
02.06.2000 Kühlungsborn - Ratzeburg

Rerik - Blowatz - Wismar - Gadebusch - Rtzeburg

110,7 km 16,7 km/h

 

Hinter Kühlungsborn gings dann in südwestlicher Richtung weiter. An diesem Tag hatte ich dann heftigen Gegenwind, der in Küstennähe am ausgeprägtesten war. An seichten Anstiegen sinkt die Fahrtgeschwindigkeit gar unter 10 km/h, so dass an diesem Tag auch mehr Erholungspausen notwendig waren. Der Radweges ist ganz gut angelegt - oft auf eigenen Wegen - und gut ausgeschildert, wenn nur der Gegenwind nicht wäre. Das Küstenhinterland wird landwirtschaftlich mit großen Felder genutzt, wobei meistens Raps angebaut wird.
Marktplatz in Wismar  
Innenstadt von Wismar Sankt Marien in Wismar
  In der Hansesadt Wismar folgt eine kurze Stadtbesichtigung.

Hinter der Hansestadt verlasse ich den Ostseeradweg, da ich als nächstes Ziel Ratzeburg angepeilt habe. Wenn nicht sehr große Umwege in Kauf genommen werden sollen, dann bleibt einem nicht anderes über, als auf der B208 zu fahren. An dieser Straße ist bis zur Autobahn ein seperater Radweg angelegt. Anschließend geht es auf der baumgesäumten Allee in sanft hügeligem Gelände weiter. Die Verkehrsdichte ist noch akzeptabel, wohl weil der Fernverkehr auf die Autobahn verlagert ist.

 

Einige Kilometer vor Ratzeburg kommt man in die alten Bundesländer zurück. Den ehemaligen Grenzverlauf kann man nur noch ahnen, da auf einem Teilstück die Straßenbäume fehlen.

Der Ort Ratzeburg liegt landschaftlich sehr reizvoll im Waldgebiet und an dem gleichnamigen See. Der Kontrast zu den Orten in den neuen Bundesländern - kein verfallenes Gebäude - ist schon auffällig. Ansonsten fand ich an dem Ort selbst nicht viel, was man gesehen haben muss. In der Jugendherberge ergattere ich wegen des verlängerten Wochendes den letzten Platz. Trotz Vollbelegung des Zimmers (8 Personen auf ca. 20 m2) konnte ich aufgrund der Anstrengung, des abendlichen Bieres und des Fehlens eines besonders guten Schnarchers ganz gut durchschlafen.

  Abfahrt von der Jugendherberge Ratzeburg

 

 

Tag Strecke Distanz Durchschnitt
03.06.2000 Ratzeburg - Hamburg

Mölln - Gülzow - Geesthacht - Bergedorf

113,3 km 18,5 km/h

 

Da ich den Zug am Abend dieses letzten Tages gebucht hatte, habe ich mich für einen Umweg am Elbe-Lübeck-Kanal entlang entschieden. Zuerst bin ich nach Mölln gefahren. Auf der Suche nach dem am wenigsten befahrenen Weg habe ich mich noch in dem Kreisforst verfahren und habe einige Rehe aufgeschreckt. Den Kanal habe ich in Mölln erreicht. Der Kanalleinpfad ist auch Teil des Fernradweges "Alte Salzstraße". Der Kanalweg ist nur teilweise befestigt. Die Oberfläche oft holprig, aber ausreichend fest, um noch recht gut voranzukommen.
Elbe-Lübeck-Kanal  
Unterwegs treffe ich auf eine Seilfähre, an der sich das Schiff von der einen zur anderen Kanalseite agelt.
  Seilfähre
Unterwegs am Kanal fällt mir ein starkes Schleifen auf, dass beim Bremsen am Hinterrad auftritt. Das Geräusch kann nicht nur auf die gebrochene Speiche und der daraus resultierenden leichten Acht zurückgeführt werden. Die Suche zeigt, dass die Felge in radialer Richtung einen Riss hat, und oberhalb des Risses drückt der Mantel den eingerissenen Felgenbereich nach außen. Die Konsequenz war: möglichst nicht mehr hinten bremsen und einen glatteren Weg aufzusuchen, in der Hoffnung, dass die Felge es noch bis Hamburg durchhält, zumal es bereits Samstagmittag ist und Ersatz nicht in greifbarer Nähe schien.

Schließlich finde ich noch unerwartet in Bergedorf am Samstagnachmittag einen fleißigen Fahrradhändler, der passenden Ersatz hat. Damit geht die Zahl der Orginalteile an meinem Rad weiter gegen Null, zumal kurz nach der Ankunft in Bochum auch noch eine Sattelfeder des Brookssattels bricht...

zerschlissene Felge  
.. und es folgt der letzte Akt. Am Hamburger Hauptbahnhof bin ich recht pünktlich, so dass vorher auch noch Zeit für ein Essen bleibt.

Mit dem Guten-Abend-Ticket, dass am Samstag bereits ab 14 Uhr genutzt werden kann, kommt man recht günsig weg. Die Rückfahrt verläuft entspannt, und selbst das Umsteigen in Dortmund (3 Minuten Aufenthalt) klappt problemlos, da beide Züge am gegenüberliegenden Bahnsteig halten und die Fahrradabteile auf einer Höhe liegen.

  Hamburger Hauptbahnhof