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Frühjahr 2015

Radtour im Osten

Decin, Berlin, Wittenberge

Datum:
23. März 2015
Strecke:
Elsterwerda – Sperenberg (Klausdorf)
Streckenlänge:
120 km
Bild
Gegen 9:00 Uhr packen wir die Räder. Wie man sieht, lacht bereits die Sonne. Wir rollen zurück zur Schwarzen Elster und folgen flussabwärts überwiegend dem Deichradweg. Es ist nahezu windstill; die Windräder drehen sich nur träge.
Wir befinden uns in Brandenburg; typisch für die Region sind die historischen Fachwerkkirchen. Die Dörfer wirken beschaulich, und man begegnet kaum einer Seele. In Saathain müssen wir einen kleinen Umweg in Kauf nehmen, da eine Flussbrücke abgerissen wurde.
Die Schwarze Elster schlängelt sich hier eingedeicht durch die Landschaft. Der Radweg führt direkt auf der Deichkrone entlang, meist gut asphaltiert, gelegentlich aber auch geschottert. Dank der kühlen, aber windarmen Luft kommen wir zügig voran.
Bei Zobersdorf gelangen wir erneut an das Ufer der Schwarzen Elster. In den kleinen Ortschaften scheint die Zeit stehen geblieben zu sein – völlig unberührt von der sonst üblichen Alltagshektik. Viele Dorfstraßen weisen noch altes Kopfsteinpflaster auf, und Autoverkehr ist die seltene Ausnahme.
xx
Wenig später biegen wir vom Schwarze-Elster-Radweg ab. Doch hat sich unser Navigator an dieser Stelle etwa verrechnet?
Kurz darauf erreichen wir den Ort Schilda – die Heimat der berühmten Schildbürgerstreiche. Heinz versucht herauszufinden, wo sich das legendäre Rathaus ohne Fenster befunden haben soll. Sowohl die Briefträgerin als auch die Anwohner schütteln jedoch schmunzelnd den Kopf: Ein solches Bauwerk gebe es hier im Ort nicht.
Im Anschluss durchqueren wir ein ausgedehntes Kiefernwaldgebiet. Eine Wegkreuzung tief im Forst ist symbolisch als geografischer Mittelpunkt des Landkreises Elbe-Elster markiert.
Im Dorfgasthof von Naundorf kehren wir zur Mittagspause ein. Der absolute Renner auf der Speisekarte ist das deftige Bauernfrühstück aus Knusperkartoffeln, Rührei und Speck.
Frisch gestärkt geht es erneut durch dichte Nadelwälder, bis wir den Körbaer Teich erreichen. Rainer testet vorsichtig die Wassertemperatur – mit ein paar Grad mehr auf dem Thermometer wäre ein Sprung ins kühle Nass durchaus verlockend gewesen.
Wir erreichen das Areal des Flaeming-Skates. Im Städtedreieck zwischen Jüterbog, Dahme und Luckenwalde erstreckt sich ein fantastisches Streckennetz für Radfahrer und Inlineskater. Die Wege sind feinstens asphaltiert, führen abseits des Autoverkehrs mitten durch Wälder sowie kleine Dörfer und bieten höchsten Fahrkomfort. Abwechselnd geht es durch schattige Kiefern- und Birkenwälder oder über weitläufige Wiesenlandschaften der dünn besiedelten Region.
Unsere Route steuert als Nächstes Dahme/Mark an – ein historisches Ackerbürgerstädtchen mit viel alter Bausubstanz. Blickfang in der Ortsmitte ist das repräsentative Rathaus.
Biegt man rechts ab, gelangt man zur Schlossruine Dahme. Wir haben das Areal bereits vor einigen Jahren besichtigt; am baulichen Zustand hat sich seitdem wenig verändert.
Wir passieren den Töpfermarkt; heute herrscht hier ruhiges, beschauliches Treiben.
Wir setzen unsere Fahrt in nördlicher Richtung fort und durchqueren mehrere kleine, unaufgeregte Ortschaften. Der Zahn der Zeit nagt spürbar an vielen Ecken, und manche verlassenen Bauten aus DDR-Zeiten verfallen allmählich.
Schließlich erreichen wir das alte Bahnhofsgebäude von Schöneweide, ein historisches Relikt der ehemaligen Königlich Preußischen Militäreisenbahn.
Kurz darauf folgt Kummersdorf – hier ist der Name historisch Programm. Das weitläufige Areal diente der Kaiserzeit, der NS-Diktatur (als Heeresversuchsanstalt und Wiege der Raketenentwicklung) sowie der Roten Armee als Militärgelände. Die dünne Besiedlung bot einst ideale Bedingungen für Schießplätze und Erprobungen. Heute verfällt der riesige Komplex und dokumentiert stumm die wechselvolle Geschichte des vergangenen Jahrhunderts.
Auf den letzten Kilometern treten wir noch einmal kräftig in die Pedale, um unser Etappenziel bei Sperenberg am Mellensee zu erreichen. Nach einigen sanften Bodenwellen steuern wir den südlichen Ausläufer des Sees in Klausdorf an. Die Pension „Heimat“ ist ein typischer DDR-Bau mit klassischem grau-gelblichem Rauputz. Die Preise erweisen sich als moderat, das Essen schmeckt hervorragend, und die Einrichtung wirkt sympathisch bodenständig ohne unnötigen Schnickschnack. Eine Tagesleistung von 120 km kann sich am Ende durchaus sehen lassen!