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Frühjahr 2015

Radtour im Osten

Decin, Berlin, Wittenberge

Datum:
26. März 2015
Strecke:
Hohensaaten – Fürstenberg (Havel)
Streckenlänge:
111 km
Bild
Heute Morgen präsentiert sich der Himmel bewölkt, und leichter Nieselregen empfängt uns. Unsere Vermieter sind darüber gar nicht unglücklich: Sie berichten, dass der Niederschlag in dieser Region spärlich ausfällt und die Sommer extrem trocken sein können, sodass der hauseigene Brunnen kaum noch Wasser führt. Beim großen Oderhochwasser 1997 seien sie hingegen knapp verschont geblieben. Für uns Radler ist der Regen zwar wenig erfreulich, aber dank wetterfester Kleidung bleiben wir trocken. Zudem ist es spürbar kühler geworden als an den Vortagen.
Bei unserer früheren Radtour im Jahr 2006 befand sich hier noch eine riesige Baustelle zur Deichsanierung; mittlerweile sind sämtliche Bauarbeiten an den Oderdeichen abgeschlossen.
Der Deichradweg verläuft auf einer Landzunge zwischen der Oder und der Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße. Rechts öffnet sich der Blick hinüber nach Polen. Die flache Oderniederung liegt hier nur wenige Meter über dem Meeresspiegel, sodass sich der Strom mit sanftem Gefälle seinen Weg Richtung Ostsee bahnt.
Bei Stolpe erreichen wir den östlichsten Punkt unserer gesamten Route. Hier verlassen wir den Flusslauf der Oder und biegen nach Nordwesten ins Binnenland ab.
Das historische Ackerbürgerstädtchen Angermünde am Mündesee beeindruckt uns sehr.
Der Stadtkern präsentiert sich weitgehend restauriert. Die Stadtpfarrkirche St. Marien mit ihrem wuchtigen Backsteinturm ragt weit über die Dächer hinaus. Das Umfeld prägen malerische Fachwerkhäuser.
Im Zentrum entdecken wir ein gemütliches Café und stärken uns bei frischem Kaffee und leckerer Sahnetorte.
Der weitere Streckenverlauf wird stark von der eiszeitlichen Endmoränenlandschaft geprägt, was die hügelige Routenführung erklärt. Es geht kontinuierlich auf und ab; mit Schwung aus den Abfahrten und etwas zusätzlichem Krafteinsatz lassen sich die kurzen Gegenanstiege schwungvoll überwinden.
Die Topografie zeigt sich überwiegend offen, wobei weitläufige Acker- und Weideflächen das Bild bestimmen. Unterwegs beobachten wir eine große Gruppe Kraniche, die in ihren Sommerquartieren eingetroffen ist.
Die Dörfer entlang unseres Weges wirken beschaulich und klein. Am Wegesrand steht die Ruine einer alten Feldsteinkirche, während der angrenzende Friedhof nach wie vor genutzt wird. Auf der benachbarten Straußenfarm lassen sich die scheuen Vögel leider nicht aus der Nähe fotografieren.
Hier blicken wir auf die Kirchenruine in Berkenlatten. In Gerswalde besichtigen wir die historische Wasserburgruine sowie das Gutshaus genauer. Eine ehrenamtliche Mitarbeiterin vermittelt uns interessante Einblicke in die Ortsgeschichte vom mittelalterlichen Wehrbau bis zum späteren Rittergut.
Neben der Burganlage steht das repräsentative Herrenhaus, das im vergangenen Jahrhundert als Jugendheim für heilpädagogische Betreuung genutzt wurde.
Bei Templin hat Rainer eine Streckenvariante um den Gleuensee gewählt. Nach einigen Kurven über das hügelige Areal des lokalen Campingplatzes finden wir schließlich die richtige Ausfahrt.
Wir durchqueren die dünn besiedelte Uckermark. Der Autoverkehr ist minimal, doch der Ausbau der Nebenstraßen lässt mancherorts zu wünschen übrig: Historisches Feldsteinpflaster fordert Mensch und Material. Um Erschütterungen zu vermeiden, weichen wir häufig auf schmale Sandstreifen am Fahrbahnrand aus. Zudem führen einige Abschnitte unseres Tracks über unbefestigte Waldwege, wo der tiefe Sand uns wiederholt zum Schieben zwingt.
Hinter dem kleinen Ort Netzow geht es durch ausgedehnte Waldgebiete der Mecklenburger Seenplatte. Auf den mageren Sandböden dominieren Kiefern und Birken. Zwischen den Bäumen blitzten immer wieder malerische Waldseen auf. Schließlich erreichen wir das Erholungsgebiet Lychen, wo uns eine verlassene Kaserne aus der Sowjetzeit und moderne Einkaufsmöglichkeiten empfangen.
Hinter dem Großen Lychensee folgt ein hervorragend asphaltierter Radweg, der sich sanft geschwungen durch die Seenlandschaft schlängelt. Über Himmelpfort geht es entlang der ehemaligen Bahnstrecke, die heute als Draisinenroute dient. Schließlich passieren wir das Areal der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück.
Kurz darauf erreichen wir über die B 96 unser Tagesziel Fürstenberg an der Havel. Unsere Unterkunft liegt idyllisch direkt am Wasser. Bei sommerlichen Temperaturen wäre eine Erfrischung im Fluss verlockend gewesen; heute lassen die kühlen Temperaturen davon absehen.