Es ist ein schöner, sonniger Morgen; Gerd überzeugt uns, gleich die kurze Hose anzuziehen. Wir rollen entlang des Westufers des Mellensees. In Saalow durchqueren wir eine Datschensiedlung, die noch vieles aus der DDR-Vergangenheit zeigt.
Am Vortag hatten wir die Route nach Berlin deutlich verkürzt: Den Bogen entlang von Dahme und Spree lassen wir aus und steuern die Bundeshauptstadt auf direktem Weg an. Die auf der Karte verzeichneten Radwege erweisen sich jedoch häufig als unbefestigte, teils tiefe Sandpisten. Das bedeutet: entweder am Wegesrand nach einer festen Grasnarbe suchen oder das Fahrrad schieben. In der Gegend um Gadsdorf und Christinendorf scheint die Zeit seit der DDR-Ära still zu stehen. Dafür entschädigt reichlich Natur – wir begegnen zwei Kranichen, die laut rufen und schließlich davonfliegen.
Nachdem Gerd vorgelegt hat, nimmt Rainer die Herausforderung an und landet ebenfalls im See. Klaus findet beim ersten Versuch den Kameraauslöser nicht rechtzeitig, sodass Rainer gleich noch einmal hineinspringen muss. Wir stellen fest, dass wir in unseren Breiten noch nie im März in einem See gebadet haben – eine echte Premiere! Leider fehlt uns ein Thermometer, um genaue Angaben zur Wassertemperatur zu machen.
Bei Genshagen treffen wir (Heinz und Rainer) auf einen Rennradfahrer. Zunächst bleiben wir in seinem Windschatten, übernehmen dann aber die Führung. Irgendwann reißt bei ihm der Kontakt ab, und er ist verschwunden.
Auf dem Begleitradweg der B 101 überholen wir einen älteren Herrn, der sein Fahrrad schiebt – der Vorderreifen ist platt. Da für heute nur eine kurze Etappe geplant ist, halten wir an und bieten unsere Hilfe an. Gesagt, getan: Nach mehrmaligem Erfühlen der Mantelinnenseite wird der Übeltäter entdeckt, der Rest ist Routine. Der ältere Mann erzählt uns von den Flakstellungen, die während des Zweiten Weltkriegs hier aufgebaut waren. Zu DDR-Zeiten befanden sich in diesem Areal die Rieselfelder für die West-Berliner Abwässer, die die DDR gegen Devisen übernahm. Nach erfolgreicher Reparatur bedankt er sich herzlich und ist sichtlich froh, sein Rad nicht kilometerweit schieben zu müssen.
Vor den ersten dicht bebauten Wohnquartieren gelangen wir auf den einstigen Kolonnenweg. Die noch erhaltene asphaltierte, aber recht wellige Trasse dient heute als Radweg. Im Großbeerener Gemeindeteil Heinersdorf prägen noch viele Einfamilienhäuser das Bild, doch in Richtung Stadtgebiet wird die Bebauung zusehends dichter.
Unser anhand von OpenStreetMap-Karten geplanter Track führt abseits des Hauptverkehrs über ruhige Nebenstraßen und abgegrenzte Radwege zügig ins Herz der Hauptstadt.