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Spätsommer 2026

Westpommern

Anklam - Kołobrzeg - Połczyn-Zdrój - Drawsko-Seenplatte - Berlin

Datum:
09. September 2026
Strecke:
Grzybowo - Połczyn-Zdrój
Streckenlänge:
100 km
Bild
Am Morgen ist es zuerst recht sonnig, aber dann ziehen dunkle Wolken auf. Beim Frühstück beginnen wir schon einzupacken, um vor dem möglichen Regen die Klamotten verstaut zu haben. Es geht auch gut voran, und mit ein paar Regentropfen fahren wir los. Unser Weg führt durch das Waldgebiet auf dem Radweg, der parallel zur Autostraße angelegt ist. Zwischendurch ziehen wir die Regenjacken an, aber es bleibt bei vereinzelten Tropfen. So kommt man unter Umgehung des Autoverkehrs sicher nach Kołobrzeg.
Zuerst erreichen wir den Hafen, wo noch einige klassische Fischerboote angelegt haben.
Wir radeln um das Hafengebiet herum. Hier kommen wir wieder an Neubauten im Einheitsstil vorbei (weiß, umlaufender Balkon mit Glasbrüstung). Für den Radverkehr ist schon einiges getan worden: Ein breiter Radweg verläuft direkt durch das Neubauviertel.
Wir queren die Brücke über den Fluss Parsęta und erreichen das touristische Zentrum.
Auf einer belebten Fußgängerstraße und an etlichen Touristengeschäften vorbei erreichen wir den Ostseestrand. Wir gelangen zu einer Seebrücke. Aber was ist das? Da muss man erst ein paar Złoty in den Automaten werfen, damit der Zugang zur Seebrücke freigegeben wird.
Hier ist ein Blick auf den Strand; bei dem verhangenen Wetter am Vormittag zeigt er sich recht leer.
Wir radeln weiter und kommen an Verkaufszelten mit diverser Kleidung vorbei. Hier könnten wir Gerd neu einkleiden, aber er möchte nicht.
Wir fahren noch ein Stück am Ufer der Parsęta entlang. Links sieht es nach Altstadt aus, und wir radeln entgegen der Einbahnstraßenrichtung zum Kołoburger Dom, einem wuchtigen Backsteinbau.
Davor stehen einige Heiligenfiguren; auch Papst Johannes Paul II. darf hier nicht fehlen.
Einige Reifenumdrehungen weiter erreichen wir das Rathaus. Dann reicht es uns mit Besichtigungen; wir verlassen die Ostseeküste und schlagen einen südlichen Kurs ein. Vorerst fahren wir auf der Ausfallstraße nach Süden und folgen mehr oder weniger der Parsęta. An der stark befahrenen Straße gibt es einen separaten Radweg.
Mehrmals muss man die Straßenseite wechseln. Die polnischen Autofahrer halten sofort an, sobald sich jemand der Querungshilfe nähert – ein dickes Lob an dieser Stelle. Das ging sogar so weit, dass wir einmal die Fahrbahn überquert haben, obwohl wir das gar nicht vorhatten, nur um den haltenden Autofahrer nicht zu enttäuschen. Hier pausieren wir an einer Gedenkstätte, die an die Teilungen Polens erinnert.
Schließlich verlassen wir die Hauptstraße und biegen auf eine stillgelegte Bahntrasse ab. Hier ist die Fahrbahn sogar gepflastert, und die gelben Absperrungen hat die EU dazugegeben (die kannten wir bereits von unserer Radtour im Jahr 2008).
Dann führt eine breite Brücke über die Schnellstraße S6; an beiden Seiten gibt es dort keine Zufahrt für Autos, sondern nur den Radweg. Wir nutzen die Route 15, die größtenteils auf der ehemaligen Bahnstrecke verläuft. Der Weg ist asphaltiert und bietet einige Rastplätze mit Überdachung. Allerdings scheint die Pflege etwas vernachlässigt zu werden: An etlichen Stellen hat das Wurzelwerk den Asphalt angehoben, und die hölzernen Sitzgruppen sind spürbar in die Jahre gekommen.
In Gościno haben wir eingekauft. Was bei uns Lidl oder Aldi ist, entspricht hier der Kette Dino. Die pommersche Wurst und der Wurstsalat schmecken recht lecker.
Es geht fast ausschließlich auf der Bahntrasse weiter. Viele Apfelbäume stehen am Rand, und wir rollen über einen wahren Apfelteppich. Das Gelände präsentiert sich flach und ohne nennenswerte Steigungen. Rechts und links erstrecken sich große Wiesen und gelegentlich ein Maisfeld.
Wir rollen zügig durch die ruhige, von Baumreihen gesäumte Landschaft Pommerns in Richtung Süden. Hier gibt es auch größere Moorflächen neben dem Bahntrassenradweg.
Wir erreichen die Kleinstadt Karlino. Abseits der alten Eisenbahnstrecke führt der Weg durch den Ort, in dem sich erneut eine historische Backsteinkirche befindet.
Im Mittelpunkt des Ortes steht das Rathaus; ansonsten sind in den Erhalt der Bausubstanz wohl noch nicht viele Mittel geflossen.
Jetzt geht es erst einmal auf dem Radweg neben der größeren Straße nach Białogard. Hier beginnt wieder eine umgewidmete Bahntrasse. Zuerst führt eine Rampe nach oben, und dann hat man das Trassenniveau erreicht. Stellenweise wurde Holz für die seitliche Absicherung verbaut. Der Wind steht günstig, und mit knapp 30 km/h jage ich die Strecke entlang. Ich habe meinen Wunschecken auf dem Garmin-Gerät rot markiert. Auf der OSM-Karte wird Rot jedoch ebenfalls für Bahntrassenwege verwendet, weshalb ich nicht bemerke, dass ich den vorgesehenen Abzweig verpasse. Gerd holt mich schließlich ein, um mich auf die falsche Richtung aufmerksam zu machen.
Die Abkürzung zurück zur geplanten Route führt über einen etwas sumpfigen Sandweg, aber kurz darauf sind wir wieder in der Spur.
Es geht weiter über eine Nebenstraße. Wohl aus Spargründen ist der rechte Fahrbahnrand nicht asphaltiert, sondern nur geschottert. Wir fahren natürlich rechts auf dem Asphaltstreifen, woraufhin überholende oder entgegenkommende Autos sehr nah an uns vorbeiziehen. Solche Fahrbahnen sind für Radfahrer eher unangenehm, selbst wenn nur wenig Verkehr herrscht. Im Vorfeld war klar, dass diese Gegend touristisch unbedeutend ist und es vorerst keine Übernachtungsmöglichkeiten gibt. Somit verbleibt die Wahl zwischen Wildzelten oder Weiterfahren bis Połczyn-Zdrój. Wir entscheiden uns für Letzteres und buchen ein Hotel vor Ort.
In Rąbino queren wir die betriebene Eisenbahnstrecke nach Kołobrzeg, und die Fahrt geht weiter Richtung Lipie. Hier wird das Gelände deutlich hügeliger, sodass wir einige zumindest mäßige Steigungen bewältigen müssen.
Danach führt der Weg durch eine Allee mit altem Baumbestand, die wie ein Tunnel wirkt. Es geht spürbar bergan, aber die Felder und Bäume tauchen im einsetzenden Sonnenuntergang in ein warmes gelb-rotes Licht.
Dabei gelingen auch stimmungsvolle Aufnahmen mit langen Schatten im tief stehenden Sonnenlicht.
Am Ende dieser Baumallee folgt eine Abfahrt zur Straße 152. Hier lässt sich jedoch wieder abseits der Hauptverkehrsstraße auf einer Bahntrasse nach Połczyn-Zdrój radeln.
Es ist 19:45 Uhr; die Sonne geht unter, und wir befinden uns in den letzten Zügen der heutigen Etappe.
Wir erreichen schließlich Połczyn-Zdrój, und der Ort wirkt sogleich viel sympathischer als die zuvor passierten Ortschaften. Wie wir später nachlesen, handelt es sich um ein Kurbad; folglich landen wir direkt im Kurpark. Große, gepflegte Blumenbeete sowie alte Bäume erkennen wir in der Dunkelheit allerdings nur noch schemenhaft.
Direkt hinter dem Kurpark befindet sich unser Hotel Hopferówka – ein traditionsreiches Haus mit einem imposanten Treppenhaus. Nach einer Stärkung mit pommerscher Pirogen und der Fertigstellung des Tagesberichts lassen wir den Tag ausklingen.