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Spätsommer 2026

Westpommern

Anklam - Kołobrzeg - Połczyn-Zdrój - Drawsko-Seenplatte - Berlin

Datum:
12. September 2026
Strecke:
Barlinek - Jelenin
Streckenlänge:
73 km
Bild
Nach dem Aufbruch müssen wir noch etwa 2 km durch den Innenstadtverkehr von Barlinek radeln, ehe wir wieder auf die Bahntrasse stoßen.
Durch meist offenes Gelände kommen wir zügig voran. Die Steigungen auf den einstigen Bahntrassen fallen bauartbedingt minimal aus und bieten zudem einen glatten Asphaltbelag. Ein großer Schwarm Stare hat eine Hochspannungsleitung besetzt ...
... und hebt kurz darauf gemeinschaftlich in die Luft ab. Ein solch imposantes Naturspiel bekommt man bei uns heutzutage kaum noch zu Gesicht.
Hier testen wir eine kleine Animation an einem Rastplatz entlang der Strecke. Hin und wieder finden sich gemütliche Sitzgruppen sowie vereinzelt sogar Servicestationen mit Werkzeugsets für den Bahnradweg.
Auf einigen Feldern steht zwar noch der Mais, doch die meisten Ackerflächen präsentieren sich bereits abgeerntet und kahl. Die Landwirte ziehen mit ihren Grubbern über das freigelegte Erdreich. Das Gelände zeigt sich eiszeitlich bedingt leicht hügelig. Die Trassenführung der ehemaligen Bahn gleicht dies jedoch geschickt durch Dämme und Einschnitte aus.
An einem kleinen See legen wir schließlich unsere erste Tagespause ein.
An einem Autobahndreieck müssen wir die Trasse leider verlassen und einen größeren Umweg in Kauf nehmen. Auf eine Überführung oder Unterführung wurde an dieser Stelle verzichtet. Einst befand sich hier ein Bahnabzweig, wovon heute noch ein paar Gleisreste zeugen. Abgesehen von der Anpassung an das Gelände besaß die alte Bahnstrecke hier kaum Kunstbauten.
Die Umfahrung führt uns durch das beschauliche Dorf Głazów.
Vor der Kleinstadt Myślibórz werden wir auf den Radweg neben der Ausfallstraße geleitet und gelangen direkt ins Stadtzentrum. Von der historischen Stadtbefestigung ist unter anderem noch dieses imposante Tor erhalten.
Wenig später stehen wir im Zentrum des Ortes auf dem Marktplatz mit seinem Barockrathaus und der benachbarten Marienkirche. Vor dem Rathaus findet an diesem Samstag gerade ein Sportfest statt.
Gerd entdeckt am Platz ein einladendes Restaurant. Es wird ein preiswertes Schnitzel angeboten, weshalb wir spontan einkehren. Das Lokal ist auch von Einheimischen gut besucht. Das Essen schmeckt hervorragend, so dass wir gestärkt – wenn auch ein wenig träge – die Fahrt fortsetzen können.
Direkt an der Stadt liegt der See Jezioro Myśliborskie, den wir noch kurz ansteuern, ehe die Route hinter dem Ort wieder auf der Trasse weiterführt.
Allerdings endet der Trassenweg nach einigen Kilometern und wir müssen auf die Landstraße ausweichen. Hier machen sich die typischen Nachteile bemerkbar: spürbare Steigungen und Fahrbahnen aus altem Kopfsteinpflaster, das einst überasphaltiert und vielfach geflickt wurde. Auf diesen Nebenstraßen suchen wir ständig nach der besten Spur mit den wenigsten Schlaglöchern. Schließlich passieren wir das Ostufer des Jezioro Rościńskie.
So präsentiert sich die Kulisse am Straßenrand: mal ein verfallenes Gebäude ...
... mal eine Straße mit Katzenbuckelpflaster der härtesten Sorte.
Bei diesem kräftezehrenden Streckenverlauf wächst der Wunsch nach einer Pause. Es dauert allerdings eine Weile, bis wir eine freie Bank finden; im Dorf Góralice werden wir schließlich fündig. Die Dorfjugend düst mit dem E-Roller die Straße auf und ab, während wir uns einen Bretterknaller gönnen. Wir orientieren uns weiterhin am Fernradweg 20.
Endlich! Hinter dem Ort beginnt erneut ein Bahntrassenradweg und entspanntes Dahingleiten ist angesagt. Bei sanften Steigungsprozenten geht es leicht auf und ab. Die umgebende Landschaft bleibt weiterhin sanft hügelig.
Wir erreichen die Kleinstadt Trzcińsko-Zdrój. Gerd schlägt vor, dem Städtchen einen Besuch abzustatten. Der Namenszusatz „Zdrój“ steht dabei für ein Bad. Wir steuern direkt auf ein imposantes historisches Stadttor zu – das Soldiner Tor.
Wir rollen weiter ins Zentrum und gönnen uns einen frischen Kaffee, den es an den praktischen Automaten in den Żabka-Geschäften gibt.
Anschließend kehren wir wieder auf die Trasse zurück, und es folgt ein malerischer Abschnitt durch ein dichtes Waldgebiet. Dahinter sollen sich laut Karte mehrere Campingplätze im Umfeld des Weges befinden.
Wir steuern den ersten Platz am Jezioro Jeleńskie bei Jelenin an. Ein kleiner Campingplatz liegt idyllisch am See, allerdings ist das Areal komplett umzäunt und verschlossen. Wir wollen schon weiterziehen, als Gerd einen Camper entdeckt, der das Gelände mitbetreut. Die Nacht ist gerettet: Wir dürfen hinein und schlagen zügig unsere Zelte auf. Gerd möchte am Abend noch im See baden, doch der Schlammgrund ist so morastig, dass er rasch wieder an Land steigt, um nicht als Moorleiche zu enden.
Im Dunkeln genießen wir im Schein der Taschenlampen zuerst das wohlverdiente Einlaufbier und im Anschluss das Abendessen. Bei spürbar auffrischender Kälte wird schließlich der Tagesbericht verfasst – und damit ist auch diese Etappe geschafft.