Nach dem Aufbruch müssen wir noch etwa 2 km durch den Innenstadtverkehr von Barlinek radeln, ehe wir wieder auf die Bahntrasse stoßen.
... und hebt kurz darauf gemeinschaftlich in die Luft ab. Ein solch imposantes Naturspiel bekommt man bei uns heutzutage kaum noch zu Gesicht.
Auf einigen Feldern steht zwar noch der Mais, doch die meisten Ackerflächen präsentieren sich bereits abgeerntet und kahl. Die Landwirte ziehen mit ihren Grubbern über das freigelegte Erdreich. Das Gelände zeigt sich eiszeitlich bedingt leicht hügelig. Die Trassenführung der ehemaligen Bahn gleicht dies jedoch geschickt durch Dämme und Einschnitte aus.
An einem Autobahndreieck müssen wir die Trasse leider verlassen und einen größeren Umweg in Kauf nehmen. Auf eine Überführung oder Unterführung wurde an dieser Stelle verzichtet. Einst befand sich hier ein Bahnabzweig, wovon heute noch ein paar Gleisreste zeugen. Abgesehen von der Anpassung an das Gelände besaß die alte Bahnstrecke hier kaum Kunstbauten.
Vor der Kleinstadt Myślibórz werden wir auf den Radweg neben der Ausfallstraße geleitet und gelangen direkt ins Stadtzentrum. Von der historischen Stadtbefestigung ist unter anderem noch dieses imposante Tor erhalten.
Gerd entdeckt am Platz ein einladendes Restaurant. Es wird ein preiswertes Schnitzel angeboten, weshalb wir spontan einkehren. Das Lokal ist auch von Einheimischen gut besucht. Das Essen schmeckt hervorragend, so dass wir gestärkt – wenn auch ein wenig träge – die Fahrt fortsetzen können.
Allerdings endet der Trassenweg nach einigen Kilometern und wir müssen auf die Landstraße ausweichen. Hier machen sich die typischen Nachteile bemerkbar: spürbare Steigungen und Fahrbahnen aus altem Kopfsteinpflaster, das einst überasphaltiert und vielfach geflickt wurde. Auf diesen Nebenstraßen suchen wir ständig nach der besten Spur mit den wenigsten Schlaglöchern. Schließlich passieren wir das Ostufer des Jezioro Rościńskie.
Bei diesem kräftezehrenden Streckenverlauf wächst der Wunsch nach einer Pause. Es dauert allerdings eine Weile, bis wir eine freie Bank finden; im Dorf Góralice werden wir schließlich fündig. Die Dorfjugend düst mit dem E-Roller die Straße auf und ab, während wir uns einen Bretterknaller gönnen. Wir orientieren uns weiterhin am Fernradweg 20.
Endlich! Hinter dem Ort beginnt erneut ein Bahntrassenradweg und entspanntes Dahingleiten ist angesagt. Bei sanften Steigungsprozenten geht es leicht auf und ab. Die umgebende Landschaft bleibt weiterhin sanft hügelig.
Wir rollen weiter ins Zentrum und gönnen uns einen frischen Kaffee, den es an den praktischen Automaten in den Żabka-Geschäften gibt.
Wir steuern den ersten Platz am Jezioro Jeleńskie bei Jelenin an. Ein kleiner Campingplatz liegt idyllisch am See, allerdings ist das Areal komplett umzäunt und verschlossen. Wir wollen schon weiterziehen, als Gerd einen Camper entdeckt, der das Gelände mitbetreut. Die Nacht ist gerettet: Wir dürfen hinein und schlagen zügig unsere Zelte auf. Gerd möchte am Abend noch im See baden, doch der Schlammgrund ist so morastig, dass er rasch wieder an Land steigt, um nicht als Moorleiche zu enden.